28 Feb

Costa Blanca: Das spanische Wirtepaar zieht sich zurück – der Nachfolger ist kein Unbekannter

Das Wirtepaar Ana und Manuel Gonzales tritt in den Ruhestand – es ist die Stunde von Ilija Milic, dem neuen Pächter des Dietiker Traditionslokals Costa Blanca.
Etwas unscheinbar, aber zentral beim Dietiker Bahnhof gelegen, steht das Restaurant Costa Blanca. Benannt nach der malerischen Küste in Alicante, ist es eines der bekanntesten Lokale im Limmattal – und darüber hinaus. Seit 20 Jahren schwingt dort Manuel Gonzales das Zepter sowie den Kochlöffel und serviert spanische und italienische Spezialitäten. Der aus Galicien stammende Wirt führt das Costa Blanca zusammen mit seiner Ehefrau Ana und einem siebenköpfigen Team. Doch damit ist Ende März Schluss: Gonzales wird das Restaurant an einen neuen Pächter übergeben.

Die Bäckerei als Start

Der 65-Jährige blickt auf ein vielfältiges Arbeitsleben zurück. 1970 kam er in die Schweiz und begann in einer Bäckerei in Oerlikon zu arbeiten. Aber er liebäugelte mit der Gastronomie und schaffte den Sprung in das Mövenpick-Unternehmen. Es folgten weitere Stationen, wie etwa die Leitung eines chinesischen Restaurants. «Ich bin noch immer sehr dankbar, dass ich oft Vorgesetzte hatte, die mich förderten», so Gonzales.

Den Wunsch, selbstständig zu werden, erfüllte er sich 1995 mit einem Restaurant im Zürcher Kreis 5; zusammen mit einem Kollegen. Allerdings währte diese Partnerschaft nur zwei Jahre. Sein Weg führte ihn danach nach Dietikon, wo er die Pizzeria Pescara übernahm – das heutige Restaurant Costa Blanca. «Vom ersten Augenblick an war ich begeistert vom Lokal.»

Ein Leben für die Gäste

Aller Anfang war schwer, erinnert sich Gonzales: «Die ersten Wochen nach der Eröffnung liefen schleppend und ich war kurz davor, das Lokal aufzugeben.» Es war seine damalige Angestellte und Partnerin Ana, die Gonzales Mut machte. «Sie hat mich immer uneingeschränkt unterstützt», so Gonzales.

Und sie sollte recht behalten: In den Sommermonaten des Jahres 1997 besuchten immer mehr Gäste das Lokal an der Poststrasse – der Mundpropaganda sei Dank. Der Erfolg wurde grösser und an vielen Abenden hätte Gonzales das Lokal dreimal füllen können, wie er sagt. Das ist beachtlich, verfügt das Costa Blanca über ganze 220 Plätze als auch über zwei Säle sowie eine Kegelbahn. «Die Wirtschaftskrise veränderte zwar einiges, aber wir konnten uns nie über zu wenig Gäste beklagen», sagt Gonzales.

Die Arbeit und die Liebe

Das Costa Blanca vereinnahmte Ana und Manuel Gonzales sehr. Das sei aber immer gewollt gewesen; wenn auch nicht immer einfach: «Es kommt automatisch zu Reibereien, wenn man 18 Stunden miteinander arbeitet und auch den Rest des Tages zusammen verbringt». Das sollte die Liebe nicht beeinträchtigen. Das Paar heiratete schliesslich vor sieben Jahren an einem der wenigen Tage, an welchem das Restaurant geschlossen war: am 24. Dezember. Beide amüsieren sich noch heute darüber, weil sie die Trauung vor der Familie sowie den erwachsenen Kindern geheim hielten und stattdessen zum Weihnachtsessen einluden – selbstverständlich ins eigene Lokal. Es ist nicht zuletzt diese Verbundenheit der Eheleute, die das Costa Blanca so beliebt machte. Der neue Pächter tritt also in grosse Fussstapfen.

Ilija Milic ist der Wirt in spe, der es sich zur Aufgabe macht, das Restaurant auch weiterhin auf Kurs zu halten. «Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe», so der gebürtige Kroate, der in der Region kein Unbekannter ist. «Ich habe 20 Jahre im Restaurant ‹Zu den zwei Raben› im Kloster Fahr gearbeitet und habe in dieser Zeit natürlich enorm viele Menschen kennen gelernt.» Im klösterlichen Lokal hat sich Milic, der selbst zwei Tanten hat, die Nonnen sind, quasi «von ganz unten bis ganz oben» hochgearbeitet: Einst als Service-Angestellter tätig, entwickelte sich Milic dank Zusatz-Ausbildungen, beispielsweise als Chef-de-Service, zum stellvertretenden Leiter. Der 48-Jährige verliess dieses Ende 2015; das Verlangen nach einer beruflichen Veränderung war stärker. «Die Arbeit im Kloster hat mir aber grossen Spass gemacht.»

Neubeginn mit Tradition

In der darauffolgenden Zeit gönnte er sich zunächst viel Freizeit und schmiedete verschiedene Pläne. «Mir wurde klar, dass ich mein eigener Chef sein wollte.» Als Stammgast im Costa Blanca hat sich Milic, der in Unterengstringen wohnt nie bezeichnet. Aber er kannte Gonzales bereits seit Jahren und beide hegen grossen Respekt füreinander. Die Anfrage zur Übernahme des Lokals stellte ihm Gonzales unverhofft letzten Herbst. Milic gibt zu, dass sein erster Gedanke «Nein» war. «Aber die Anfrage empfand ich als Ehre, also überlegte ich es mir gründlich und schliesslich sagte ich zu.» Ab April gilt es ernst. Dann öffnet das Costa Blanca nicht mehr mit dem Beinamen «da Manuel» seine Tore, sondern als «Costa Blanca Mediterrana».

Milic will das Restaurant nach dem Vorbild von Gonzales führen. «Manuel weiss, dass es wichtig ist, die Gäste immer willkommen zu heissen und mit ihnen zu plaudern.» Das sei eine Tugend, die er in Schweizer Gasthäusern oftmals vermisse. Milic wird mit seinem eigenen Team den Betrieb aufnehmen, übernimmt aber auch zwei Angestellte. Die aktuelle Speisekarte, die sehr reichhaltig ist, wird Milic verkleinern und mit neuen Gerichten versehen, ohne dabei den traditionellen Stil zu vernachlässigen. Hausspezialitäten wie etwa das Cordon bleu oder das Katalanische Rindsfilet bleiben auf der Karte. Das Interieur bleibt ebenfalls bestehen – und das sind neben der Einrichtung eine ganze Sammlung von Bildern, Vasen, Souvenirs sowie einer beachtlichen Flotte aus Miniatur-Schiffen. Nur zwei Dinge folgen Gonzales in den Ruhestand: ein Horn sowie eine antike Uhr. Beides hat einen persönlichen Wert für ihn.

Nun folgt die Übergangszeit; Gonzales wird Milic in allen für das Lokal wichtigen Bereiche schulen. «Ich möchte, dass der Erfolg des Lokals für Ilija weiterhin anhält», sagt Gonzales. Er könne aber loslassen und freue sich zusammen mit seiner Frau Ana auf den Ruhestand.

Neueröffnung Samstag, 1. April

von Daniel Diriwächter — az Limmattaler Zeitung

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